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Wanja, der Liebling der Kinderabteilung |
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Bereits ist über ein Monat vergangen, seit wir den dreijährigen Iwan, oder Wanja, wie ein kleiner Iwan in Russland üblicherweise genannt wird, zusammen mit seiner Mutter ins Spital nach Tarussa brachten. Zur Erinnerung: Wanja leidet an einem massiven Vitaminmangel,
seine Eltern sind leider dem Alkohol verfallen.
Was hat sich getan in dieser Zwischenzeit? Wanja, der Liebling der Kinderabteilung, so nennen ihn jedenfalls die Krankenschwestern auf der Station, hat sich dank ausgewogener Ernährung sehr gut entwickelt (unser RADUGA Sozialdienst im Spital bringt dem Kleinen und seiner Mutter dreimal in der Woche Lebensmittel). Seit seinem Eintritt hat er bereits 700g an Körpergewicht zugelegt. Zur Freude aller macht er grosse Fortschritte mit dem Gehen. Zwar behindern ihn die krummen Beinchen weiterhin, doch dies scheint den Knirps selber nicht gross zu stören.
Bei meinem letzten Spitalbesuch erklärte mir die Mutter, die sich im Übrigen einer Entziehungskur unterzogen hat, Wanja sei jetzt in ein Impfprogramm aufgenommen worden, um das Versäumte nachzuholen. Die Tatsache, dass sich die Mutter „aufgerappelt“ hat, verbessert die Situation ihres kleinen Jungen immens. Die mütterliche Fürsorge, die wir bei unserem ersten Treffen überhaupt nicht spürten, ist erwacht. Der Vater hat sich eine geregelte Arbeit gesucht und ist, soweit wir informiert sind, ebenfalls „trocken“.
Wie lange die Mutter mit Wanja im Spital bleiben muss ist noch nicht geklärt. Voraussichtlich wird das ganze Impfprogramm durchgeführt. Danach aber ziehe es sie möglichst rasch wieder nach Hause, meinte sie. Sie müsse auch unbedingt mit ihrem Lebenspartner zusammen die Vorkehrungen für den Winter treffen, unter anderem Brennholz bereitstellen, damit der Kleine den Winter unbeschadet übersteht.
Ich darf Ihnen verraten, ich habe einen sehr guten Eindruck von den Eltern, seit sie sich vom Alkohol losgesagt haben. Es ist zwar noch zu früh, um sich zu freuen. Wenn aber kein Rückfall passiert, wäre es uns gelungen, eine Familie wieder auf den richtigen Weg zu führen. Bis es jedoch soweit ist, werden wir die drei mit offenen Augen und Herzen und helfenden Händen weiter begleiten.
Jörg Duss
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