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Nora und Aschot |
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Nora und Aschot wohnen in einer kellerartigen Behausung eines zweistöckigen Wohnhauses am Rande Tarussas. Um mit unserem monatlichen Lebensmittelpaket zu ihnen zu gelangen, muss man einen steilen Hang hinunter und durch einen Bretterverschlag auf der Rückseite des Hauses gehen.

Ursprünglich stammen die Beiden aus Armenien, haben aber fünfzig Jahre ihres Lebens in Baku, der heutigen Hauptstadt Aserbaidschans, verbracht.
Immer wieder hören wir von der älteren Generation, wie unproblematisch die Nationalitäten in der Sowjetunion zusammengelebt haben.
Aber mit dem Zusammenbruch der UdSSR kam es in Aserbaidschan einige Monate vor der Unabhängigkeitserklärung des Landes zu einem Pogrom an den dort lebenden Armeniern. Mit ihnen wurden auch andere Minderheiten zur Flucht gezwungen. Aschot und Nora verschlug es nach Astrachan, einer russischen Grosstadt an der Wolga, im Norden des Kaspischen Meeres.

Nach einigen Jahren folgten sie ihren Kindern nach Tarussa, wo sie inzwischen seit 15 Jahren leben. Ein Sohn und die Tochter leben in Serpuchov, 30 Kilometer entfernt von Tarussa, wohin nun auch Nora gerne übersiedeln würde. Sie möchte zu ihrer Tochter ziehen, die zwar auch nicht viel Platz hat, aber wenigstens ein Badezimmer mit Dusche und Toilette. Um auf ihre Trockentoilette zu gelangen, müssen die über Achtzigjährigen einen steilen Weg überwinden. Fliessendes Wasser haben sie keines und im Winter ist es drinnen kalt und feucht und die Wege draussen eisig oder matschig.
Doch Aschot will von den Umzugsplänen nichts wissen. Mit strahlenden Augen zeigt er uns seinen Garten und erzählt, was er im Mai alles sähen wird. Bis hier hin, er zeigt auf den Hals, wird es Bohnen und Gurken und Tomaten und Kräuter geben. Und wenn man erst einmal draussen sitzen und den Tarussern beim Springen in den Fluss zusehen kann, dann sei es schön vor ihrer kleinen Kellerwohnung mit Garten. Wie im Gefängnis käme er sich da in einer Blockwohnung in Serpuchov vor.
Mit ihnen freuen wir uns auf den Sommer.
Andrea Schild
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