Am 1. September heisst es jeweils für Millionen von Kindern in Russland, dass nach den langen Sommerferien wieder der Schulalltag beginnt. Im kommenden Schuljahr werden sie wieder viel Neues lernen können.
Für viele Eltern, besonders in den ländlichen Gebieten,
bedeutet die Einschulung eine erhebliche finanzielle Belastung. Für das Verbrauchsmaterial, wie Schreibutensilien, Schreibhefte, Malbücher, Malfarben, Notenheft usw. müssen die Eltern selber aufkommen.
Pro Kind fallen so nur allein für dieses Verbrauchsmaterial ohne Lehrbücher um die 1000 Rubel (ca. 30 Euro) an. Für Familien mit zwei, drei Kindern ist diese Summe oft höher als ein Monatslohn.
Dieses Problems bewusst überlegte ich mir, wie RADUGA als kleine Stiftung den Eltern etwas unter die Arme greifen könnte. Dieses Material zu kaufen, um es anschliessend kostenlos abzugeben, wäre einerseits von unserem Budget her nicht möglich, andererseits auch nicht mit unserer Stiftungsphilosophie zu vereinen, welche vorsieht, nur im äussersten Notfall Hilfeleistungen von 100% zu bieten.
Wieso aber nicht versuchen, dieses Schulmaterial direkt vom Grosshändler einzukaufen und dann den Eltern zum Engrospreis weiterzugeben? Im Internet fand ich einen solchen Grosshändler in Moskau, wo wir ohnehin ungefähr einmal im Monat hinfahren. Gesagt, getan! In grösseren Mengen kauften wir das für dieses Schuljahr Benötigte ein. Für die Eltern resultierte so ein Preis von 300 Rubeln pro Kind, also ein Drittel dessen, was er sonst betragen hätte.
Anmerken muss ich noch, dass wir nur den Familien diese Möglichkeit gaben, die wir durch unsere Arbeit kennen, und von denen wir wissen, in welcher schwierigen finanziellen Situation sie sich befinden. Denn alle beliefern konnten und durften wir natürlich nicht. Es galt, auch auf die Papeterien in Tarussa Rücksicht zu nehmen!
Jörg Duss
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