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Rüeblitorte und Selbstgebrannter zu Rosas Achtzigstem |
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Am 25. November feierten wir mit Rosa Wanschula ihren 80.Geburtstag. Weil sie im Rollstuhl sitzt, kam sie erst mit unserer Hilfe vor zwei Monaten nach langer Zeit wieder einmal nach draussen; wir haben im September darüber berichtet.
Da ihre beiden Moskauer Enkel an jenem Tag arbeiten mussten, nahmen wir statt deren Rosas Einladung gerne an. Sie erwartete uns am feierlich gedeckten Küchentisch mit selbst gebackenen Brötchen, eingelegtem Sauerkraut, gebratenem Hühnchen und einem kleinen Geheimnis aus der Flasche namens „Balsam“ - ihr selbst gebrannter Hausschnaps.
Als Schweizer Gabe brachten wir eine Rüeblitorte mit, die ihr zu unserem Glück schmeckte.
Ich arbeite seit einem Monat als Volontärin bei RADUGA. Rosa kenne ich schon ziemlich gut, da wir sie regelmässig besuchen. Sie erzählt viel und gerne von den alten Zeiten und fügt immer die entsprechende Jahrzahl oder sogar gleich das genaue Datum zu ihren Erzählungen hinzu. Ihr Zahlengedächtnis hat mit ihrem Beruf zu tun. Rosa war Revisorin und überprüfte unzählige Staatsbetriebe. Schmiergeld habe sie nicht interessiert, nur wenige hätten versucht, ihr überhaupt Geld anzubieten. Sie sei aber auch nicht sehr streng gewesen. Was es weiterzuleiten gab, habe sie weitergeleitet, ohne die Zuständigen zu rügen.
Ihre Freizeit verbrachte sie in der Natur. Sie liebte es, in den Flüssen zu schwimmen und zu fischen. Angst habe sie keine gehabt und sogar alleine im Wald übernachtet. Sie lebt zwar seit 58 Jahren in Tarussa, woher ihr Mann stammte, verbrachte aber auch viel Zeit in Sibirien. Die Arbeit führte die in Omsk geborene Rosa bis nach Jakutien und Kamtschatka.
Hin und wieder kullern ein paar Tränen über Rosas Gesicht, denn einfach war ihr Leben nicht. Sie hat ihren Mann, der durch einen Zeckenbiss invalid wurde und ihren Vater jahrelang gepflegt. Kurz nachdem ihre Schwiegertochter gestorben ist, hat sie auch noch ihren Sohn durch einen Arbeitsunfall verloren. Zudem kümmert sich ihre Tochter überhaupt nicht um sie.
Da sind wir ihr hoffentlich ein kleiner Ersatz an diesem Nachmittag - und sie uns schon fast eine Grossmutter. Prost, Rosa, auf glücklichere Zeiten.
Andrea Schild
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