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Monatsbericht März 2005

Am Morgen des 24. März zeigte das Thermometer vor dem Haus minus 16°C. Von Frühling keine Spur. Im Gegenteil, fast täglich fällt neuer Schnee. Und dieser Schnee liegt bereits in solchen Mengen, dass viele eine Überschwemmung mit der Schneeschmelze befürchten. Selbst die kleinen Bewohner haben langsam aber sicher genug von der weissen Pracht. „Wann geht er endlich fort, dieser Schnee“, fragten mich kürzlich die Kinder in einem Kindergarten.


Die kalten Wintermonate verursachen für uns unweigerlich zusätzliche Arbeiten. Mit dem ersten grossen Schneefall werden die abgelegenen Weiler von der Umwelt abgeschnitten. Die ausschliesslich alten Menschen, welche als Letzte in diesen Weilern ausharren, sind an diesen Zustand des Eingeschlossenseins gewöhnt.

Man ist Selbstversorger. Der Garten liefert Kartoffeln, Gemüse, Kräuter und Obst. In den Wäldern sammelt man Beeren und Pilze, und die Haustiere, Kühe und Hühner, liefern das Ihre dazu. Zucker, Salz und Mehl gehören zu den Dingen, die gekauft werden müssen.


Wir von der Stiftung betreuen solche Menschen. Während diesen kalten Wintermonaten koordinieren wir unsere Arbeit mit den örtlichen Behörden, um allfällige Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Mit unserem Lada Niva und seinem unverzichtbaren Allradantrieb suchen wir diese Weiler auf. Im Gepäck befinden sich nebst den Nahrungsmitteln auch Spaten, Schlitten und Rucksäcke. Soweit es uns der Strassenzustand erlaubt, fahren wir so nah wie möglich an die Dörfer heran.

Im Monat März standen verschiedene solche Aktionen auf dem Programm. Das Dorf Karejewo mit seinen letzten vier hier ausharrenden Bewohnerinnen gehörte ebenfalls dazu. Die vier Babuschkas empfingen uns wie immer mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft. In einem kleinen Blockhaus sassen wir dann mit ihnen in der kleinen Küche zusammen. Der Tisch war mit eigenen Bioprodukten reich gedeckt. Es wäre für unsere lieben und wie immer gutgelaunten Gastgeberinnen eine Kränkung gewesen, hätten wir nicht zugegriffen und es uns schmecken lassen!


Während des Essens entsteht immer eine rege Diskussion. Die vier wollen wissen, was in Tarussa so vor sich geht. Tarussa, das nur knappe 30 km entfernt ist, und doch so weit, dass einige von ihnen sich schon gar nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal dort waren. Wiederholt fragten sie uns auch nach dem Zustand ihrer ehemaligen Mitbewohnerin im Dorf, Marfa Michajlowna. Zur Zeit liegt sie in Tarussa im Spital, wo sie auf ihre Einweisung in ein Altersheim wartet und inzwischen von uns betreut wird.

Die Zeit verging wie im Fluge. Doch den langen Rückweg vor Augen verabschiedeten wir uns, im Bewusstsein, unsere alten Freundinnen in absehbarer Zeit nicht mehr besuchen zu können. Während der Schneeschmelze ist das Dorf auch zu Fuss nicht mehr erreichbar. Der Grund dafür sind die ansteigenden Flüsse, die eine Überquerung verunmöglichen. Aber kaum ist der Winter überstanden, beginnt dann schon wieder die Gartensaison, die für diese Menschen doch so wichtig ist, damit sie für den nächsten Winter mit genügend Vorräten versorgt sind.

Mit herzlichen Grüssen
Jörg Duss


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Erleben Sie mit uns eine Reise in die russische Provinz! Wir offerieren Ihnen erneut einen einwöchigen Einblick in die russische Seele in Tarussa und Umgebung im Juli 2010. Gleichzeitig haben Sie die Gelegenheit, unsere Stiftungsarbeit vor Ort kennenzulernen.