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Monatsbericht November 2005 |
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Im Gegensatz zu Europa können wir uns hier in Tarussa über den zurzeit herrschenden Winter nicht beklagen. Für russische Verhältnisse ist es sehr mild und der Schnee lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Es scheint so,
dass Europa die Ration abbekommen hat, die ansonsten für uns bestimmt gewesen wäre.
Im Monatsbericht vom August 2005 konnten Sie bereits über das Schicksal von Jurij Wladimirowitsch lesen. Vor einer Woche mussten wir einen grossen Rückschlag hinnehmen. Laut Ärzten hat sich im Nervensystem über Jahre langsam diese „Veränderung“ ausgebreitet. Er fing an unkontrolliert zu Handeln, so zerstörte er eigenhändig alle seine persönlichen Dokumente.
Für seine Frau Irina wurde die Situation immer schwieriger. Wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, verbarrikadierte er einige Male die Türe. Oft reagierte er nicht mehr darauf, wenn sie ihn etwas fragte. Für Irina und uns war es klar, Jurij musste zu einem Untersuch gebracht werden. Da wir in Tarussa keinen Psychologen haben, wollten wir Jurij in das 30km entfernte Protwino führen, wo es diesbezüglich sehr gute Spezialisten hat.
Da wir mit Jurij schon über eine längere Zeit arbeiten, und er uns daher sehr gut kannte, bat uns Irina mit ihm zu sprechen. Vielleicht würde er auf uns reagieren, denn jeglicher Versuch von Irina ihn zu überreden scheiterte jeweils. Als er uns unter der Türe stehen sah, verdrückte er sich schurgerade im Wohnzimmer. Auf unseren Gruss reagierte er nicht, sondern kommentierte sein Handeln am Fernseher, den er nun reparieren müsse. Er habe überhaupt keine Zeit. Für uns als Laien war hier Endstation. Wir konnten nicht beurteilen, ob er ganz bewusst mit uns spielte, oder in wieweit wirklich eine solche „Veränderung“ vorlag.
Seine Einlieferung in die Klinik war nur mit der Hilfe von zwei Polizisten möglich. Seitdem ist er unter ständiger Kontrolle. Ob er je wieder einmal nach Hause gehen kann, ist zurzeit auch für die Ärzte noch ungewiss.
Gerade rechtzeitig auf den Winter bekamen wir warme Kleider für Kinder. Die Kleider waren alle von einer sehr guten Qualität und in einem guten Zustand. Auch nicht verwunderlich, denn die Kleider stammen allesamt aus Deutschland, genauer gesagt aus München. Die Stiftung RADUGA praktiziert selber solche Transporte schon seit Jahren nicht mehr, da die Transportkosten viel zu hoch sind, und sich mit Kleidern kaum rechtfertigen würden.
So verdanken wir diese benötigten Winterkleider der Initiative von Christina Glank, die in München an der Walddorfschule als Musiktherapeutin arbeitet. Sie organisierte die Kleider und brachte sie dann mit Hilfe von Studenten, die an einem Austausch teilnahmen, nach Moskau.
So konnten wir in den vergangenen Tagen bedürftigen jungen Familien resp. ihren kleinen Kindern ein vorweihnachtliches Geschenk machen. Auf diesem Wege möchten wir uns bei Christina Glank für ihren Einsatz recht herzlich bedanken.
Jörg Duss
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