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Monatsbericht Februar 2006 |
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„Papa, kommen bald die ersten Blumen?“, fragte mich neulich meine fünfjährige Tochter. So wie ihr geht es den meisten Menschen. Man sehnt sich nach dem Frühling. Einen kleinen Lichtblick bedeutete gegen Ende des Monates das steigende Thermometer.
Der Frost, so scheint es, hat sich zurückgezogen. Doch wer die russischen Winter kennt, der weiss, dass sich dies über Nacht wieder ändern kann.
Mitte Februar endete der Aufenthalt unserer Pflegefachfrau Anita Staub, die uns in Richtung Schweiz verliess. In den sechs Monaten war sie für uns eine grosse Hilfe geworden. Sie verkürzt so manchem Kranken im Spital seinen Aufenthalt, brachte soviel Leben in diverse russische Stuben, wo sie stets von den „Babuschkas“ willkommen geheissen wurde. Wir wünschen ihr von hier aus alles Gute bei ihrer neuen Arbeit in der Schweiz, und sollte sie das Heimweh packen, die Türen in Tarussa sind ihr jederzeit offen!
Und nun zu einer besonderen Gruppe unserer Hilfsempfänger.
Ihre körperliche Verfassung lässt es nicht zu, dass sie einer geregelten Arbeit nachgehen. Oder die familiären Verhältnisse, z.B. ein kleines Kind oder eine pflegebedürftige Person im Haushalt, verunmöglichen ein regelmäßiges Einkommen.
Durch unsere gross angelegte Lebensmittelpaketverteilung in diesen kalten Wintertagen trafen wir leider mehrmals auf solche Fälle. Die finanzielle Situation in all diesen Familien ist durchaus Existenz gefährdend. Alleinerziehende Mütter „leben“ einzig und allein vom Kindergeld, das, mit seinen 100 Rubeln pro Kind, nicht einmal ausreicht, um jeden Tag ein Brot für 9 Rubel zu kaufen!
Körperlich behinderte Menschen liegen mit ihren Renten zwischen 900 – 1’900 Rubel pro Monat etwas „besser“, wobei auch diese Summe nicht einmal für ein Minimum im Leben ausreicht. Sie können sich daher vorstellen, welche Bedeutung diese Lebensmittelpakete der Stiftung RADUGA für solche Menschen haben!
Dieses ständige Elend, das wir täglich vor Augen hatten, sass uns wie ein Klumpen im Hals. Die grösste Not können wir mit den verteilten Nahrungsmitteln für eine gewisse Zeit lindern, doch langfristig kann dies nicht die Lösung sein.
Wir müssen etwas finden, womit diese Menschen sich ein paar Rubel dazuverdienen können. Die fast ausschliesslich ländliche Bevölkerung hat selten eine qualifizierte Ausbildung. Viele dieser Personen sind noch Erben der Sowjetunion, wo hauptsächlich ausführendes Personal benötigt wurde, und selbständig denkende Arbeiter geradezu unerwünscht waren. Dies machte für uns die Sache nicht leichter.
Nichtsdestotrotz starteten wir die Suche nach Firmen, welche Heimarbeit abzugeben haben. Aber wie wir uns auch auf dem Internet durch die Seiten klickten, wir fanden nur dubiose Vermittler, die einzig und allein darauf aus waren, von uns Geld zu kassieren, konkret aber keine Adressen von solchen Firmen vermitteln konnten.
Der pure Zufall wollte es nun, dass wir auf zwei Firmen in Moskau gestossen sind, welche direkt und ohne Vermittler Arbeiten vergeben. Die eine Arbeit besteht im Züchten von Pilzen in häuslicher Umgebung, die andere in der Fertigung von Mosaiksteinen für eine Fliesenproduktion.
Die Pilzzucht ist, abgesehen von den Vorarbeiten, sehr gut geeignet für unqualifizierte Arbeitskräfte, aber auch für körperlich behinderte Personen. Die Herstellung der Mosaiksteine hingegen erfordert Fingerspitzengefühl und versiertere Handwerker.
Zur Zeit befinden wir uns im Stadium der Vorarbeiten. Wir beschafften uns von diesen Firmen die benötigte Grundausrüstung und sind jetzt daran, die erste Lieferung selber zu realisieren, um einerseits die Machbarkeit, andererseits aber auch alle organisatorischen Fragen zu klären. Sobald wir diese Testphase abgeschlossen haben, werden wir dazu übergehen, diese Verdienstmöglichkeit an unsere Bedürftigen weiterzugeben. Wir sind optimistisch, dass wir der ein oder anderen Familie damit helfen können, eine bescheidene Existenz aufzubauen.
Jörg Duss
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