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Monatsbericht August 2006 |
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Der August war wettermässig nicht gerade das, was man sich so von diesem Monat gewohnt ist. Sehr viel Regen und Temperaturen, die den vielen Gemüsegärten nicht gerade förderlich waren. Es hätte noch schlimmer kommen können, erklärte mir eine alte Babuschka,
daher wollen wir uns nicht beklagen. Doch im Vergleich zu anderen Jahren fiel die Ernte dürftig aus. Zeigen wird sich dann mit unerbittlicher Härte in den Monaten Februar-April, wie weit die einzelnen Vorräte reichen.
Wie bereits in einem früheren Bericht erwähnt, hat sich die Stiftung RADUGA das Ziel gesetzt, die medizinische Grundversorgung in den abgelegenen Dörfern im Bezirk Tarussa zu verbessern. Für die dort ansässige Bevölkerung ist eine funktionierende Ambulanzstelle von immenser Bedeutung, da eine Fahrt ins oft x km entfernte Bezirksspital oft nicht gewährleistet ist.
Dies hat verschiedene Gründe. Es kann daran liegen, dass der Patient nicht transportfähig ist, oder aber, was erfahrungsgemäß häufig der Fall ist, dass der Krankenwagen kein Benzin hat! Sie haben richtig gelesen, es gibt Notfahrzeuge (darunter fällt auch die Feuerwehr!), die nicht ausfahren können, weil der Tank leer ist. Keine Angst, der Krankenwagen teilt Ihnen das gleich mit, wenn Sie die Notrufnummer wählen. Suchen Sie sich eine andere Transportgelegenheit, ist dann der lapidare Bescheid. Aber wer besitzt schon in diesen Dörfern ein Auto! Diese Menschen haben nicht einmal das Geld für ein Fahrrad, geschweige denn für etwas Motorisiertes.
In diesem Jahr stand das Dorf Wolkowskoje, das rund 15km von Tarussa entfernt liegt, bei uns auf der Prioritätenliste. In den letzten Wochen waren die Arbeiten an der Ambulanzstelle in vollem Gange. Als erstes wurde vor dem Haus ein Graben ausgehoben von ca. 20m Länge, 1.5m Tiefe und so breit, dass ein erwachsener Mann darin graben konnte. Anschliessend wurde darin die Wasserleitung verlegt, damit nun endlich innerhalb der Räumlichkeiten ein Wasseranschluss vorhanden ist und das Wasser nicht in Eimern vom nächsten Brunnen geholt werden muss. Für die Kanalisation wurde draussen eine Sickergrube ausgehoben. Da der Wasserverbrauch nicht gross ist, wird dies ausreichen.
In den Räumen wurde überall ein Novilon- Boden verlegt, was schon nur aus rein hygienischen Gründen besser ist als ein Riemenboden. Dazu kommt, dass im Gegensatz zum Holzboden der neue Belag nicht alljährlich neu gestrichen werden muss. Übrigens: Alle diese kosmetischen Renovationen, Fenster, Türen und Böden Streichen sind Sache des Personals. Nicht nur, dass sie die Arbeiten ausführen müssen, nein, sie sind auch dazu aufgefordert, das Material selber einzukaufen und aus der eigenen Tasche zu bezahlen! Bei den kleinen Gehältern schlichtweg abstrus.
Was ich an dieser Stelle erwähnen möchte ist die Tatsache, dass sich diese Menschen nicht beschweren. Die Bürde, welche die russischen Menschen im Stande sind zu tragen, ist für jeden Aussenstehenden kaum zu fassen. Wieviel Leid hat dieses Volk ertragen müssen. Wie schwer liegt das Erbe der Sowjetunion, die Last der Perestrojka und der Jelzin-Jahre auf den Schultern der ländlichen Bevölkerung (in den Städten ist das Leben in vieler Hinsicht einfacher). Diese Geduld und Widerstandsfähigkeit machen für mich dieses Volk umso bewundernswerter.
Nebst den kosmetischen Renovationen lag das Hauptaugenmerk auf der Instandsetzung sowie Anschaffung der Geräte, die für die Untersuchung resp. zur Behandlung von Verletzungen unverzichtbar sind. Darunter fielen z.B. ein Schrank zum Sterilisieren des ärztlichen Bestecks, ein Inhalationsapparat usw.
Die Dankbarkeit der ansässigen Bevölkerung ist kaum zu beschreiben. Für sie ist die Lebensqualität im Dorfe gestiegen. Heutzutage können verschiedenste Untersuchungen und Behandlungen durchgeführt werden, die früher nur nach einer beschwerlichen Fahrt nach Tarussa ins Bezirksspital möglich waren.
Für die Stiftung RADUGA bedeutet die Vollendung dieses Projektes, dass es in einem kleinen Rahmen gelungen ist, den Menschen einen Teil ihrer Last von den Schultern zu nehmen, und ihr Leben wenigstens in dieser Hinsicht etwas zu erleichtern.
Für das nächste Jahr sind wir bereits daran, ein weiteres Dorf zu evaluieren, das am dringendsten auf unsere Hilfe angewiesen ist. Gerne würden wir mehrere Ambulanzstellen pro Jahr „aufrüsten“, doch gemäss unserem Budget handeln wir nach dem Motto von Winston Churchill: „Das Wichtige vor dem Dringenden tun!“
Jörg Duss
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