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Monatsbericht April 2008

Traumhaftes Frühlingswetter bescherte uns der letzte Monat. Die Birkenwälder stehen bereits in einem satten grün, einen Anblick, den es sonst nur im Mai zu sehen gab. Von verschiedenen Seiten hörte ich Prognosen,

dass es dieses Jahr einen sehr heissen Sommer geben soll. So was hatten wir glaube ich im letzten Jahr. Mal sehen, wir sind uns hier gewohnt, dass es meistens anders kommt als man denkt.

Der Monat April stand weiter voll im Zeichen des Baues der Medizinstelle im Lagerkomplex Witjas. Wie man mir mitteilte, ist die rechtzeitige Fertigstellung (bis 20. Mai 2008) für das Schicksal von 3000 Kindern verantwortlich. Für eine solche „Drohung“ kann ich nur kopfschütteln. Denn von Seiten des Staates habe ich außer dieser Meldung bislang nichts gehört, geschweige jemanden auf dem Platz gesehen. Wir tun alles was in unserer Macht steht, doch Zaubern können auch wir nicht, bedenkt man, dass wir mit minimalsten Kostenaufwänden auskommen müssen. Dies macht sich insbesondere bemerkbar, dass es schwierig ist qualifizierte Arbeiter für einen Mindestlohn zu engagieren. Trotz allem bin ich zuversichtlich, dass wir ausser der Heizung, die es für den Sommer nicht benötigt, die Arbeiten soweit beenden werden.

Im letzten Monatsbericht erläuterte ich die Situation rund um das neue Kardiologiezentrum von Tarussa. Zur Erinnerung; Machtkämpfe zwischen der Spitalleitung und der Bezirksregierung führten zu mehreren Entlassungen. Was aber nichts davon abhielt, dass am 29. Februar bei einer offiziellen Pressekonferenz diese neue Abteilung im Spital von Tarussa eröffnet wurde.


Heute rund zwei Monate später, scheinen sich die Wogen geglättet zu haben, so sehen wir dies jedenfalls als Außenstehende. Insgesamt ist es ruhig geworden um das Spital. Jedenfalls für die große Masse der Bevölkerung. Für uns als Stiftung RADUGA bekam dieses Kardiologiezentrum in den letzten Wochen jedoch einen ganz andere „Beigeschmack“, als das es doch öffentlich und medienwirksam Publik gemacht wurde.

Was passierte denn? Hier möchte ich anhand eines konkreten Beispiels, das sich erst vor kurzem zugetragen hat, ihnen diese Situation schildern.

In einem abgelegenen Dorf rund 40 km von Tarussa leben zwei Kinder, seit dem Tode ihrer Eltern, bei der Großmutter und dem Großvater. Die beiden Rentner, die beide nur eine kleine Rente aufweisen können, kümmern sich liebevoll mit allem was sie haben um die Kinder. Der eigene Garten vor dem Haus ergänzt parallel zur Rente die fehlenden Lebensmittel. Diese Idylle wird jäh zerstört, als beim Großvater ein Herzleiden diagnostiziert wird, das eine Operation erfordert. Das Kardiologiezentrum von Tarussa erklärt den beiden Grosseltern, dass dies die einzige Chance sei, den Großvater am Leben zu erhalten.

Die Summe wurde ihnen auch gleich genannt, und zwar lautete die 146`000.- Rubel (ca. 3`950.- Euro). Für die Grosseltern war klar, dass sie mit ihrer Rente, die zusammen nicht einmal 10`000.- Rubel pro Monat ausmacht, nie diese Mittel aufbringen könnten. So wendeten sie sich an ihre Krankenversicherung, welche auch bereit war diese Summe zu übernehmen.

Die Ärzte in der Kardiologieabteilung wollten aber von dieser Zahlungsvariante nichts wissen. Sie wollten das Geld bar auf ihrem Tisch sehen! Diese anstößige Haltung trieb das alte Ehepaar jetzt in eine aussichtslose Situation. Sie verkauften jeglichen Besitz den sie hatten. Da die Mittel immer noch nicht reichten, liehen sie sich Geld bei Bekannten und Nachbarn. Der Großvater kann heute zwar auf eine erfolgreiche Operation zurückblicken, doch für welchen Preis. Ihre Enkel werden sie kaum noch unterhalten können, sodass ihnen eine Einlieferung in ein Kinderheim droht. Mit Arbeit die Schulden zu begleichen ist rein physisch für beide unmöglich.

So lautet das Resultat. Es wurde einerseits ein Leben gerettet, damit aber eine Familie in ein aussichtsloses Elend gestoßen. Der Großvater und die Großmutter sind heute Hilfsempfänger der Stiftung RADUGA. Sie können mir glauben, wir haben tagelang diskutiert, ob wir diese große Summe aufbringen können und dürfen. Für unsere kleine Stiftung mit den vielen kleinen laufenden Projekten ist es rein vom Budget her nicht möglich, einzelne solch große Posten zu finanzieren. Und was noch viel schlimmer ist, dies ist kein Einzelfall!!! Bei uns meldeten sich bereits weitere „Opfer“ dieser Zahlungsart. Da fragt man sich dann was dieses Zentrum mit einer Stiftung zu tun hat?

Mit freundlichen Grüssen
Jörg Duss


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