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Monatsbericht April 2009

Spätwinter in Tarussa! Oder schon Vorfrühling? Die Saatkrähen, diese allerersten Frühlingsboten, sind bereits da, und die Aprilsonne wärmt schon ordentlich und lässt den Schnee schmelzen. Aber die Nächte sind noch kalt. Jeden Morgen bedeckt wieder eine solide Schicht Glatteis die Strassen und Plätze,

und der Gang auf den Markt ist für die alten Frauen gefährlich. Sie ertragen es ohne Murren, wie das meiste…

Auch die Autofahrten verlangen dem Fahrer einiges an Erfahrung und Geschick ab. Dennoch waren wir in diesen vier Tagen, die ich in Tarussa verbrachte, recht viel unterwegs. Da war der obligate Besuch bei der MS-kranken Swetlana. Sie hat die Daten jedes meiner Besuche im Kopf, und es wäre undenkbar gewesen, nicht wenigstens ein halbes Stündchen bei ihr zu sitzen und zu plaudern. Sie hat zwar immer mehr Mühe zu sprechen, und auch zum aufrecht Sitzen fehlt ihr bereits die Kraft – nach kurzer Zeit muss sie sich wieder hinlegen. Es tut weh, das Dahinschwinden dieser einstmals so schönen jungen Frau zu sehen. Sie heisst ihr Töchterchen uns seine Schulhefte zeigen und lässt sich zweifelnd, aber doch gerne von uns sagen, dass wir die Leistungen recht ordentlich finden. Und die kleine tapfere Jana, die ihre Mutter fürsorglich betreut, strahlt. Der Abschied von Swetlana ist nie leicht. Es könnte jedesmal der letzte sein.

Die neue Sozialpädagogin, die unsere unvergleichliche Lidija ersetzt, hat sich recht gut bei RADUGA eingelebt. Wir begleiten sie beim Besuch einer jungen Familie, die mit fünf, oder sind es schon sechs?, Kindern einen kaum „Zimmer“ zu nennenden Raum bewohnt, der knapp Platz für die Schlafstätten bietet. Die Küche ist noch schwererer zu beschreiben, eine Art Verschlag zwischen dem Eingang und dem Rest der Behausung. Aber die Kinder, die draussen spielen, sind vergnügt, und auch die Eltern haben wenig zu klagen – ja, eines der Betten sollte ersetzt werden, da es am Zusammenbrechen ist, und einiges an Kinderkleidern wäre ebenfalls willkommen. Anschliessend besuchen wir eine alte Frau in allerbescheidensten Verhältnissen, die ebenfalls mit dem Leben im Grossen und Ganzen zufrieden ist. Und ich denke, immer und immer wieder: Ein erstaunliches Volk, die Russen.

Im Spital treffen wir Tatjana, die für RADUGA die Sozialbetten betreut. Eine energische und gleichzeitig gemütvolle junge Frau, die das Herz auf dem rechten Fleck und beide Füsse auf dem Boden hat. „Tanetschka!“ ruft ihr ein altes Mütterchen überglücklich entgegen, kaum hat es sie erblickt. Ja, wir spüren: Tanja macht ihre Sache gut. Sie bringt nicht nur Lebensmittel und saubere Wäsche an die Sozialbetten. Sie bringt auch Herzenswärme.


Gut macht auch Julija ihre Sache, die Buchhalterin, die inzwischen zum Mittelpunkt von RADUGA geworden ist. Sie hat den Überblick über alle Projekte, sie hält die Fäden in der Hand, sie springt überall ein, wo es nötig ist. Gleichzeitig ist sie eine einfühlende und kluge Gesprächspartnerin, wenn es Probleme zu lösen, Entscheide zu fällen gibt, und sie wirkt trotz ihrer Aktivität wie ein ruhender Pol. RADUGA ohne Julija – nein, so weit wollen wir gar nicht denken!

Ein Besuch bei RADUGA und allen seinen tüchtigen Mitarbeitern macht Freude! Freude, weil RADUGA für so viele Menschen das Leben ein wenig leichter, ein wenig heller macht. Und sie haben es heute wieder besonders nötig. Die gestiegenen Lebensmittelpreise, der Verlust des Arbeitsplatzes, die Angst, wie es weitergehen soll, ob es noch schlimmer wird – so viel Schweres ist diesem ohnehin so schwer geprüften Volk wieder auferlegt. Es wird auch das ertragen, wie es bisher alles ertragen hat. Und wir sind glücklich, ein bisschen helfen zu können!

Monica Chappuis


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Reise in den russischen Sommer 2010

Erleben Sie mit uns eine Reise in die russische Provinz! Wir offerieren Ihnen erneut einen einwöchigen Einblick in die russische Seele in Tarussa und Umgebung im Juli 2010. Gleichzeitig haben Sie die Gelegenheit, unsere Stiftungsarbeit vor Ort kennenzulernen.