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Monatsbericht Mai 2009 |
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Ein richtiger Frühlingsmonat, wie man ihn sich so vorstellt. Abwechslungsreiches Wetter mit teilweise Regenschauern, dann wieder strahlend blauem Himmel und wunderbarem Sonnenschein. Die Obstbäume standen in diesem Jahr in einer überwältigenden weissen Pracht. Angesichts so vieler Blüten
reden schon viele über eine womöglich grosse Ernte im Herbst. Mal sehen, was bis dann passiert.
In diesem Monat wurde unsere MS-kranke Swetlana Ipatowa notfallmässig ins Spital von Tarussa eingeliefert. Die Nieren hatten versagt. Bei meinem Besuch gegen Mittag im Spital war sie kaum ansprechbar. Wir organisierten umgehend, dass mindestens dreimal am Tag jemand von uns, oder vom Seniorenclub, bei ihr ist. Alles, was in unserer Macht steht, wird unternommen. Wir wollen ihr alles so erträglich wie möglich machen. Vor ein paar Tagen wurde sie wieder nach Hause entlassen. Da man uns sagte, dass man ihr nicht mehr helfen könne, entschieden die Verwandten, für welche die häufige Fahrt aus dem Dorfe nach Tarussa eine grosse Belastung wäre, sie nach Hause zu nehmen. Die täglich benötigten Spritzen lassen wir ihr jetzt von einer örtlichen Krankenschwester geben. Swetlana geht es nach diesen Spritzen besser, sprechen kann sie aber kaum noch.
Vielleicht erinnern sie sich noch an Ljuba? Das Mädchen aus dem Dorfe, das bereits mehrere Operationen an den Beinen hinter sich hat? Diesen Monat kam sie erneut „unters Messer“. Wiederum ging es darum, die Beine, resp. das Becken, so zu richten, dass ihr das Gehen leichter fällt. Der Transport ins Spital, die Betreuung während des Spitalaufenthaltes sowie jetzt die Rehabilitation zu Hause findet alles unter der Kontrolle von RADUGA statt. Auf die Mutter können wir uns seit Jahren nicht verlassen, der Alkohol hat sie zu fest im Griff.
In diesem Monat war ich eingeladen an einem Symposium teilzunehmen, das von der Stadtregierung von Tarussa organisiert wurde. Thema dieser Runde waren die Auswirkungen der Krise auf den Bezirk Tarussa und die damit verbundenen Konsequenzen für das Sozialgefüge innerhalb der Bevölkerung. Zu den Teilnehmern gehörten nebst den Behördenvertretern aus den verschiedenen Ämtern auch Unternehmer.
Einerseits ging es um die gestiegene Arbeitslosenzahl und den damit verbundenen finanziellen Mehraufwand für die Stadtkasse, andererseits um die gesunkenen Steuereinnahmen. Noch nicht enthalten in dieser uns vorgelegten Rechnung waren die möglichen Auswirkungen des wohl bevorstehenden Bankrotts des grössten Arbeitgebers von Tarussa, des Backsteinwerks. Wobei ich hier sagen muss, dass der Zustand dieses Unternehmens nicht direkt in Verbindung gebracht werden darf mit der jetzigen Krise. Misswirtschaft in den eigenen Reihen war seit Jahren schon bekannt. Man kann eine Firma innerlich solange aushöhlen, bis sie, wie der Baum, den der Biber benagt, von selber einfach nicht mehr stehen kann. Ob es einen Windstoss, ein Schubsen oder was auch sonst immer braucht spielt dann keine Rolle mehr, die Firma ist am Boden.
Diese für Tarussa grosse Katastrophe verfolgen und spüren wir von der Stiftung bereits seit längerem. Familienväter, die bei uns Arbeit suchen, da viele das Schiff noch verlassen wollen, bevor es total gesunken ist. Damit es weniger schnell sinkt, wurde vor zwei Monaten ein Teil der Belegschaft bereits entlassen. Damals erhöhte sich bei uns die Zahl der Lebensmittelpakete an Familien bereits merklich. Ebenso unterstützen wir vermehrt Familien mit dem Kindergartengeld, damit die Kleinen so wenig wie möglich zu leiden haben. In anderen Fällen konnte ich Dank meiner Kontakte in Moskau dem einen oder anderen einen Arbeitsplatz verschaffen.
„RADUGA ist heute ein fester Bestandteil von Tarussa, der nicht mehr wegzudenken ist. Unsichtbar wacht der Regenbogen über der Bevölkerung und springt bei Not ohne bürokratische Hindernisse ein!“ Mit diesen Worten bedankte sich der Bürgermeister bei der Stiftung RADUGA, und er bat mich ausdrücklich, dies Ihnen, liebe Spender, so weiterzugeben!
Mit freundlichen Grüssen
Jörg Duss
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