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Monatsbericht Mai 2004

Das Wetter spielt verrückt. In Sibirien und im Norden von Russland herrschen Temperaturen zwischen 30 – 40°C. Plus versteht sich! Dagegen hatten wir hier bei uns in Tarussa im Mai bereits mehrere Nächte um oder sogar unter dem Gefrierpunkt.

Denjenigen, die im Garten die jungen Pflanzen nicht zugedeckt hatten, erfror ein grosser Teil. Da, wo der Garten in der Selbstversorgung eine zentrale Rolle spielt, ist dies ein sehr schwerer Verlust.

Der 25. Mai war Stichtag für den Entscheid, ob das Sommerlager für behinderte und benachteilgte Kinder durchgeführt werden kann oder nicht. Der Entscheid lautet „JA“. In den letzten zwei Monaten konnten wir durch Ihre Unterstützung CHF 2`450.- sammeln. Zur budgetierten Summe fehlen zwar noch CHF 550.- doch wir führen, im Interesse der Kinder, das Lager trotzdem durch. Wir versuchen weiter, diese restliche Summe aufzutreiben, andernfalls werden wir das Lager in bescheidenerer Form durchführen.


Von der Idee des Sommerlagers wussten die betroffenen Kinder erst, nachdem es definitiv beschlossen worden war. Die Entäuschung wäre viel zu gross gewesen bei einem negativen Entscheid. Nun ist die Freude bei den Kindern grenzenlos.

Für uns beginnt jetzt die Detailplanung. Das Datum für die Durchführung wurde auf die letzten drei Wochen im Juli festgelegt.


Als erstes werden jetzt die verschiedenen Kinderheime und Internate kontaktiert, um die „offizielle" Bewilligung für die Freistellung der Kinder für diese Zeit zu erhalten. Die Kinder, die zu uns kommen werden, gehören zu den Ärmsten. Dies ist ja genau die Schicht, die wir unterstützen wollen. Das oberste Ziel dieses Lagers ist es: Kinder, die sonst keine solche Möglichkeit hätten, sollen drei Wochen lang ohne knurrenden Magen herumtoben und unbeschwer Kind sein können.

Auf unserer Internetseite werden Sie die Möglichkeit haben, zu erfahren, was ein solches Sommerlager für alle Beteiligten bedeutet.


Viele unserer Leser fragen öfter nach der kleinen Angela aus Roschtscha. „Wie geht es ihr jetzt?“ lautet eine häufig gestellt Frage. Zur Erinnerung: Angela, das mittlerweile 10jährige Mädchen aus dem Dorfe Roschtscha, lebt seit dem 1. September 2003 im Kinderheim von Podborki.

Angela wuchs in Roschtscha, dem entferntesten Dorf im Bezirk Tarussa, auf. Mitte August 2003 spitzte sich die Situation bei ihr zu Hause dermassen zu, dass wir uns dazu entschlossen, alle nötigen Schritte in die Wege zu leiten, um sie von zu Hause wegzuholen. Es war sogar der Wunsch der Kleinen, von zu Hause wegzugehen. Ihr Vater hatte sich vor etwa einem Jahr erhängt, Ihre Mutter kannte nur noch eines; den Alkohol.


So brachte ich Angela ins Spital zum Bluttest, der für die Einweisung ins Kinderheim notwendig ist. Als ich sie zuhause abholte, hatte sie nur ein Kleid und Sandalen an. Keine Unterwäsche, kein Hemd, nichts. Richtig gegessen hatte sie seit Tagen nicht mehr. Die Fensterscheiben im Haus waren alle zerschlagen. Was sollten wir tun? Wir konnten sie doch nicht bis Ende Monat zurück in dieses Loch schicken. Da sagte unsere Buchhalterin spontan, sie würde Angela bis zum 1. September mit zu ihren Eltern auf den Bauernhof mitnehmen.

Die Kleine, die mit geschenkten Sachen neu eingekleidet wurde, blühte richtig auf. Jede freie Minute war sie mit einem Velo auf unserem Gelände unterwegs. Am Montag, den 1. September 2003, um 9.00 Uhr stieg sie dann in den Bus nach Podborki ein, wo für sie ein neuer Lebensabschnitt begann.


Heute, neun Monate später, hat sie sich gut eingelebt. Strahlend stellte sie mir ihre neuen Klassenfreundinnen vor. Gekleidet ist sie im Gegensatz zu früher ordentlich. Auf meine Frage, wie es mit der Ernährung aussehe, erzählte sie mir, dass sie seit ihrer Ankunft hier nie mehr solchen Hunger leiden musste, wie früher. Einzig in der Schule kämpft sie mit Defiziten. Früher schwänzte sie öfters die Schule. Der Mutter war dies gleichgültig, die hatte andere Sorgen. Doch heute im Kinderheim geht das nicht mehr. Angela wird ein Schuljahr wiederholen müssen, zu gross ist ihr Rückstand.

Übrigens, Angela wird ebenfalls an unserem Sommerlager teilnehmen. Wäre dieses Lager nicht zustande gekommen, hätte sie auch den Sommer durch im Heim bleiben müssen. Doch so bekommt auch sie richtige Ferien. Wir werden, auf ihren Wunsch, zusammen mit ihr auch die Mutter einmal besuchen. Denn immer wieder zeigt sich bei solch vernachlässigten Kindern: Wie auch immer ihre Eltern sind – die Mutter bleibt doch ihre Mutter!

Jörg Duss


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Reise in den russischen Sommer 2010

Erleben Sie mit uns eine Reise in die russische Provinz! Wir offerieren Ihnen erneut einen einwöchigen Einblick in die russische Seele in Tarussa und Umgebung im Juli 2010. Gleichzeitig haben Sie die Gelegenheit, unsere Stiftungsarbeit vor Ort kennenzulernen.