Schon von verschiedenen Bauern hier habe ich gehört, wie sie ihren Berufskollegen in Europa ihre Anteilnahme bekunden. Die Bilder der ausgetrockneten Felder tun jedem Bauern in der Seele weh. Hoffen wir, dass sich die Situation in kürzester Zeit endlich verbessert, und sich die Natur wieder erholen kann. Auf unseren Feldern können die Bauern sogar die zweite Heuernte einfahren, auch die Gemüsegärten aller Hobbygärtner stehen in der Pracht einer guten bevorstehenden Ernte. Ein alter Bauer hat mir vor einigenTagen gesagt: „Hätte ich die Möglichkeit, würde ich meinen Kollegen in Europa gerne helfen!“ Berufsverbundenheit kennt eben keine Grenzen!
Nach den verdienten Ferien sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder in den Berufsalltag zurückgekehrt. Vor der Tür steht der Schulanfang, der für RADUGA immer verschiedenste Aktivitäten mit sich bringt. Bedürftigen Familien helfen wir beim Einkauf von Schulmaterial, für die Kindergärten und Schulen vom Bezirk besorgen wir die ergänzenden Lebensmittel.
Für viele Angestellte ist der Anfang nach den Ferien nicht die beliebteste Zeit im Jahr. Hat sich doch während der Abwesenheit einiges an Arbeit aufgestapelt, das nun abgearbeitet werden muss. So auch bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Speziell alles um das Kleiderprojekt herum wird sie noch länger an den Urlaub erinnern. Sie werden mehrere Wochen benötigen, um diese Berge von Kleidern, Schuhen, Spielsachen und Möbeln wieder zu sortieren und an den „Mann, Frau und Kind“ zu bringen. Anders für alle Bedürftigen, die sich auf eine neue Hose oder ein neues Spielzeug freuen können! So könnte man es auch anders ausdrücken: „Des einen Leid, des andern Freud!“ Ich muss hier aber anfügen, dass es für unsere Angestellten kein Leid ist, sehen sie doch bei der Übergabe die leuchtenden Augen der Empfänger! Dies hat nichts mit Leid zu tun !
Wie oben angekündigt, beginnt ab dem ersten September wieder das neue Schuljahr. Hört man sich bei den Kindern so um, bekommt man fast ausschliesslich negative Kommentare zu diesem Thema. Freude kann ich jedenfalls nicht heraushören, dass es bald wieder losgeht. Das Schulsystem hat sich in den letzten Jahren so verändert, dass die Kinder nicht mehr mit Freude und Wissensdurst hingehen, sondern es als Zwang empfinden. Erinnere ich mich an meine Zeit, oder frage ich ältere Menschen, war das noch anders. Man ging gerne zur Schule, bekam man doch verschiedenstes Wissen vermittelt!
Bei mir zuhause tönt es genau gleich. Mein Sohn, der jetzt in die fünfte Klasse kommt, wird nun den Anfang einer neuen Zeitrechnung machen! Seit mehreren Jahren habe ich mich darauf vorbereitet, ein eigenes Lehrsystem aufzubauen, mit teilweise ganz anderen Grundsätzen, als dies die Schulen vermitteln. Offiziell ist er bei einer Internatsschule in Moskau gemeldet, wo er auch alle Prüfungen ablegt und sein Examen machen wird. Doch der Unterricht findet unter ganz anderen Bedingungen und in anderen Verhältnissen statt. Im Detail gehe ich hier nicht darauf ein, das würde den Rahmen des Monatsberichtes sprengen, doch ich gedenke Ihnen in einem separaten Artikel einmal mehr darüber zu erzählen.
Bereits sind unzählige Anfragen von verschiedenen Eltern eingegangen, die ihre Kinder ebenfalls zu mir schicken möchten. Ich habe mich entschieden, jetzt das erste Jahr als „start up“ laufen zu lassen, und dann sehen wir weiter.
Mit freundlichen Grüssen
Jörg


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