Monatsbericht September 2026

Monatsbericht September 2026

Wir konnten uns über einen schönen warmen September freuen. Die Ernten konnten von den Bauern in Ruhe eingebracht werden. So entstand der auch in der russischen Literatur viel beschriebene „goldene Herbst“! Kein Künstler könnte diese Pracht besser malen als die Natur selbst! Leider stelle ich mehr und mehr fest, dass viele Menschen nicht mehr den Blick haben für diese Schönheiten. Die digitale Welt hat sie so in Bann genommen, dass die Augen kaum noch den Weg weg vom Display finden. Schade, denn was für unbeschreibliche Augenblicke sie damit doch verpassen!

Im vergangenen Monat durften wir in unserem Dorf ein außergewöhnliches Fest feiern, wie man es wohl nur einmal im Leben begeht: Die Einweihung unserer Kapelle und des Glockenturms. Die Orthodoxe Kirche hat in der russischen Kultur eine ungeheure Bedeutung. Sie ist in der Bevölkerung tief verwurzelt. Auch 70 Jahre Staatsatheismus mit härtester Verfolgung der Gläubigen konnten sie nicht ausrotten. Die vielen Kirchenfeste im Laufe eines Jahres werden immer von einer grossen Anzahl von Gläubigen gefeiert. Ohne dieses Fundament des Glaubens ist die russische Kultur, das russische Leben nicht denkbar. Dies war der Grund, wieso wir uns vor Jahren entschlossen haben, im Dorf eine Kapelle und einen Glockenturm zu bauen. Dieser Bau dauerte länger als alle anderen. Wir legten Wert darauf, dass alles stimmt. Es musste alles aufs Genaueste die Anforderungen an eine orthodoxe Kirche erfüllen. Allen Beteiligten war bewusst, so etwas bauen wir nur einmal im Leben! Heute darf ich sagen, dass der Aufwand sich gelohnt  hat.

Zum Einweihungsfest kamen nebst unseren Dorfbewohnern auch Bewohner aus allen benachbarten Dörfern, auch waren alle unsere Stiftungsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei. Selbst der Oberbürgermeister liess es sich nicht nehmen, mit einer ganzen Delegation der Administration an dem Fest teilzunehmen. Und um die Wichtigkeit dieses Ereignisses noch zusätzlich zu untermauern, reiste auch das Fernsehen an.

Abgerundet wurde die Einweihung mit einem kleinen Bankett, das wir in unserem Kulturhaus mit unseren Produkten bereitgestellt hatten. Mehrere Frauen aus den Nachbardörfern waren beim Zubereiten der Gerichte dabei, was mich sehr freute; zeigte es doch einerseits auf, wie wichtig dieses Fest war, und andererseits hat es die Zusammengehörigkeit in der Region unter den Bewohnern weiter gefestigt. Um das Fest unvergesslich zu machen, haben wir uns entschlossen, ab dem nächsten Jahr den 21. September als Dorffest zu feiern. So wird dieser Tag in der Geschichte des Dorfes Lagowschina immer seinen Platz haben.

Wieso ich diesem Fest einen ganzen Monatsbericht gewidmet habe? In der nicht einfachen Zeit, in der wir leben, ist es von ganz besonderer Bedeutung, dass man solche Ereignisse gebührend würdigt! Es war ein grosses Erlebnis für viele Menschen, für die der Glaube ein Grundstein ihres Alltagslebens bedeutet!

Mit freundlichen Grüssen
Jörg

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