Infobrief 2003

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde!

Übervoll von Eindrücken bin ich soeben von Tarussa zurückgekehrt. Welcher Eindruck war der stärkste? Die junge gelähmte Swetlana, Mutter eines kleinen Töchterchens, die seit über drei Jahren auf einem Hocker in ihrer winzigen Küche sitzt,

von ihrem Mann geschlagen wird und von ihrer alkoholkranken Mutter keine Hilfe erhält? Die alleinerziehende krebskranke Raissa, die sich Sorgen darüber macht, was nach ihrem Tod mit ihren sechs Kindern geschieht? Die alte blinde Alexandra, die Freudentränen vergiesst beim Anfassen der warmen Wolljacke, die wir ihr gebracht haben? Oder sind es eher die Lichtblicke? Etwa die Frauen, die mit echt russischem Improvisationstalent im trostlosen dörflichen “Kulturzentrum” mit einfachsten Mitteln und mit sehr viel Liebe ein wenig Wärme, Feststimmung und Gemütlichkeit für den bevorstehenden Altersnachmittag herbeizaubern? Oder unsere liebe Buchhalterin Ramilja, die spontan die kleine Anschela, die wir auch für die kurze Zeitspanne bis zur – leider unvermeidlichen – Aufnahme im Kinderheim ihrer schwer alkoholkranken und verwahrlosten Mutter nicht mehr anvertrauen können, in ihr Elternhaus mitnimmt?

Ja, es gibt zum Glück immer wieder solche Lichtblicke! Und auch wir versuchen ja, so viel Lichtblicke wie möglich zu schaffen.

Die gelähmte Swetlana hat doch bei unserem Besuch gelächelt! Zum ersten Mal, sagt Lidija Jewgenjewna, unsere überaus tüchtige und kompetente Helferin, voll Freude. Swetlana hat Vertrauen zu RADUGA gefasst kann nun glauben, dass wir sie nicht im Stich lassen.

Und Raissa hat durch RADUGA erfahren, dass ihre älteste, bereits erwachsene Tochter die Vormundschaft über ihre Geschwister bekommen kann. Das bedeutet, dass die Kinder staatliche Unterstützung erhalten werden. Wir helfen Raissa, die notwendigen Schritte einzuleiten. Sie wird ein wenig ruhiger sterben können.

349alexanDer blinden Alexandra, die keinerlei Möglichkeit hat, aus ihrem abgelegenen und sehr schwer erreichbaren Dorf nach Tarussa zu gelangen, wird RADUGA behilflich sein bei der Beschaffung ihres neuen Passes, ohne den sie ihre Altersrente nicht mehr bekommt.

Und vor ganz kurzem haben wir eine hoch erfreuliche Nachricht erhalten: Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA in Bern wird das Schulernährungsprojekt für den nächsten Winter übernehmen.

Sie, liebe Spenderinnen und Spender, haben es dank Ihrer Grosszügigkeit möglich gemacht, dass wir unsere Projekte im nächsten Jahr voraussichtlich im gleichen Umfang werden weiterführen können und damit die Hoffnungen, die so manche Menschen heute in RADUGA setzen, nicht enttäuschen müssen. Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

Mit herzlichen Grüssen

Monica Chappuis Präsidentin
Meggen, im Oktober 2003