Jahresbericht 2006 der Präsidentin

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde!

Mit einer Insel vergleicht unser Projektleiter Jörg Duss die Stiftung RADUGA, einer Insel, auf der viele Menschen aus dem Städtchen und dem Bezirk Tarussa Zuflucht suchen, wenn ihr Existenzschiffchen in allzu arge Seenot gerät.

Wie sieht sie aus, diese Insel? Man kann sie sich übertragen, ideell vorstellen, aber eine konkrete Form besitzt sie auch: Unser Stiftungshaus. Davon will ich Ihnen erzählen.

Von aussen ein recht unschöner, rechteckiger Backsteinklotz. Nur das Gemüsegärtlein, ein Tisch mit einer Bank davor, und ein von Jörgs liebender Vaterhand gezimmertes Spielhäuschen schaffen aussen etwas Gemütlichkeit. Im Innern war das Haus, als RADUGA es vor einigen Jahren übernahm, ein Schutthaufen. Aber in ungezählten Arbeitsstunden haben Jörg, sein Schwiegervater Sergej und weitere russische Helfer es fertig gebracht, die vielen Räume so zu verwandeln, dass kaum irgendein heutiger Besucher glauben würde, wie es vorher aussah.

OLYMPUS DIGITAL CAMERADa ist vor allem unser Versammlungsraum. Lange helle Holztische, die sich verschieden zusammenstellen lassen, viele bequeme Holzstühle, einige schöne Bilder an der Wand, die RADUGA zumeist von dankbaren Hilfsempfängern bekommen hat, freundliche Vorhänge. Hier versammeln sich die Kinder zum Basteln und Spielen unter der Leitung unserer Sozialpädagogin Lidija, hier treffen sich auch die Senioren, hier wird musiziert, hier werden kleine Festchen gefeiert. Daneben das Büro, wo Julija, unsere Buchhalterin, arbeitet. Julija ist aber noch viel mehr als Buchhalterin: Sie bedient das Telefon, sie eilt mit einer Unzahl von Formularen, die sie hat ausfüllen müssen, unermüdlich auf die verschiedenen unvermeidlichen Ämter, wo sie oft lange Schlange stehen muss, und wenn es nötig ist, streicht sie auch Brötchen und kocht Tee. Julijas Büro ist auch eine Art kleines Sitzungszimmer, und ein Empfangsraum für unsere Bittsteller. Sie finden ihn alle. RADUGA ist in ganz Tarussa zum Begriff geworden.

festGegenüber ist die Küche – ein wichtiger Raum! Wenn Alte oder Junge sich treffen, gibt es Bewirtung, manchmal einfach, manchmal aber auch sehr festlich. Helferinnen finden sich immer: Frauen, die von RADUGA in irgendeiner Form Hilfe empfangen haben und sich in dieser Form erkenntlich zeigen. Ohne diese Frauen wäre vieles nicht möglich. Übrigens können russische Frauen mit einfachsten Zutaten wunderbar kochen! Im Weiteren gibt es die Lagerräume für Lebensmittel, für Kleider, für Stoffballen, die an unsere Näherinnen weitergehen. Und schliesslich befindet sich hier die Werkstatt des Kunstschreiners Anatolij Michajlowitsch, der unter der Obhut von RADUGA wunderschöne Schaukelpferde und anderes Spielzeug herstellt, das seine Frau dann bemalt.

Im Obergeschoss wohnt der Projektleiter mit seiner Familie, und ausserdem befinden sich hier drei gemütliche Doppelzimmer für unsere kleinen Touristengruppen.

Das ist also die konkrete Form der Insel RADUGA. Hier sind ihr Kopf und ihr Herz! Hier werden die Ideen geboren, entstehen die Projekte, von hier sendet RADUGA ihre Rettungsboote aus – in die Schulen und Kindergärten, ins Spital, in viele, viele Wohnungen und Häuschen im Städtchen und auf dem Dorf. Vielleicht ist RADUGA nicht nur eine Insel – vielleicht ist sie sogar ein kleiner Archipel?

Ihnen, liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde, verdanken wir es, dass dieser kleine Archipel von dem ihn umringenden grossen Meer von Armut und Not nicht überflutet wird!

Mit herzlichen Grüssen

Monica Chappuis, Präsidentin