Persönliche Gedanken der Präsidentin

Seit sechseinhalb Jahren gibt es RADUGA, seit fünf Jahren unsere Tochterstiftung Raduga Tarusskaja, der Tarussaer Regenbogen, und ich schaue zurück – wie hat alles angefangen? Nun, eigentlich viel früher, als unser Projektleiter Jörg Duss als frisch gebackener eidgenössisch diplomierter Schreinermeister sich vor zehn Jahren anerbot, einen russischen Holzbearbeitungsbetrieb mit aus der Schweiz mitgebrachten Maschinen zu modernisieren. Als einen Sprung ins kalte Wasser charakterisierte er selber später diesen Beginn. Aber all das wissen unsere Leser längst! Darum will ich hier einen etwas persönlicheren Rückblick geben.

Was bedeutet für mich RADUGA? Eigentlich die Erfüllung eines Traums. Des viele Jahrzehnte alten Traums, für Russland, das ich seit meiner Jugend liebe, etwas wirklich Gutes, wirklich Nützliches tun zu dürfen. Und gleichzeitig dieses Land und seine in ihrer Art unendlich liebenswerten Menschen besser kennen zu lernen. Ja, RADUGA hat mir diesen Wunsch erfüllt. Unser hervorragender Projektleiter, unser gutes, kameradschaftliches kleines Team, und natürlich unsere vielen treuen und grosszügigen Spender haben es möglich gemacht, dass ich in Tarussa eine zweite Heimat gefunden habe, dass ich erleben und dazu beitragen darf, dass in vielen, vielen russischen Behausungen das Leben leichter geworden und in viele, viele Herzen Freude und Trost und das Gefühl, nicht verlassen zu sein, eingekehrt ist.

Von manchen, liebe Leser, haben Sie schon gehört: Von der kleinen Ljuba, ehemals bettlägerig und gehunfähig, die heute, zwar immer noch behindert, aber auf eigenen Beinen tapfer und fröhlich zur Schule geht, von der gelähmten Swetlana, die sagt: Ich erwache am Morgen und ich weiss: Ich habe jemanden, der zu mir hält! Von der blutjungen Mutter Nina, deren Leben sich nach ihren eigenen Worten um 180 Grad zum Besseren gewendet hat, vom alten Pjotr Maximowitsch, der jedesmal weint, wenn er durch mich RADUGA dankt. Viele könnte ich noch nennen! Und nicht zu vergessen unsere russischen Helfer: Zwei Lidijas, Julija, Antonina, Irina, Katja, Sergej, Aljoscha, und noch andere, die immer dann kommen, wenn wir sie brauchen – sie alle sind heute meine, unsere, aber auch Ihre Freunde. Ist das nicht wunderbar?

Ich kann deshalb nur danken für die vielen kleinen und grossen Fügungen, die RADUGA zu dem gemacht haben, was es heute ist: einem echten kleinen Hoffnungsträger im riesigen Russland. Heute will es fast scheinen, ein neues Kapitel beginne: Sollte es uns wirklich gelingen, auch wohlhabende Russen als Spender zu gewinnen? Auch ihnen die Augen zu öffnen für die Not mancher ihrer Landsleute, von der sie offenbar nichts ahnen? Ihr soziales Gewissen, an das, so paradox das tönen mag, während 70 Jahren Kommunismus niemand appelliert hat, zu wecken? Das wäre ein Erfolg, dessen menschlicher Aspekt den materiellen noch weit überträfe. Ein kühner Traum! Aber RADUGA macht vielleicht auch diesen wahr?

Halten Sie uns die Daumen, liebe Leser!

Monica Chappuis