Jahresbericht 2009, 1. Teil

In den nächsten Tagen veröffentlichen wir die verschiedenen Teile unseres Jahresberichts. Er wurde per Post an alle Spenderinnen und Spender verschickt und gibt einen Rückblick auf das Jahr. Der erste Auszug stammt von Stiftungsratspräsidentin Monica Chappuis.

Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde!

Das vergangene Jahr hat unserer Regenbogenstiftung viel Gutes gebracht, aber auch Sorgen und Trauriges – so wie das Leben eben ist, nicht nur in Russland.

Zum Guten gehört in allererster Linie unser treuer Spenderkreis, der uns weiterhin Vertrauen schenkt und uns nicht im Stich lässt. Ohne ihn gäbe es ja gar keine Stiftung RADUGA, und das möchte ich einmal mehr mit grosser Dankbarkeit betonen. Zum Guten gehören auch die vielen, vielen dankbaren Rückmeldungen, die wir in Tarussa bekommen, die vielen Beweise, wie sehr man uns schätzt, wie sehr man uns braucht, wie sehr man uns vermissen würde, wenn wir unsere Tätigkeit aufgeben würden.

stiftungshausUnd weiteres Gutes: Unser neuer, bereits völlig integrierter und sehr aktiver Schweizer Mitarbeiter, der sich Ihnen selber vorstellen wird, der neue, uns sehr wohlgesinnte Bürgermeister, das nun bereits im Bau befindliche neue Stiftungshaus, die – wenn auch vorerst nur vereinzelten! – begüterten Russen, die auf die Not ihrer Landsleute aufmerksam werden und beginnen, ihre Verantwortung wahrzunehmen.

Und nicht zu vergessen: Unsere russischen Mitarbeiter, allen voran unsere immer unentbehrlichere Julija Viktorowna, die längst nicht mehr nur Buchhalterin ist, sondern zusammen mit dem Projektleiter RADUGA im wahrsten Sinne des Wortes trägt.

Aber nun auch ein paar Worte zum Traurigen! Dass die „Krise“ dieses Land, das sich auf so gutem Wege befand, wieder um Jahre zurückgeworfen hat, tut uns weh. Wiederum muss dieses so schwer geprüfte Volk das erleben, was es im Begriff war zu überwinden: Hunger, Kälte, Teuerung, Arbeitslosigkeit – und all das völlig unverschuldet. In Tarussa, diesem winzigen Fleckchen auf der Landkarte, können wir zum Glück ein wenig helfen. Und wir müssen versuchen, an das übrige Russland nicht allzu fest zu denken, sonst müssten wir ja verzweifeln.

Die Russen selbst klagen, wie gewohnt, kaum und verlassen sich auf ihre eigene unglaubliche Tragkraft. „Wir haben die Blockade von Leningrad überlebt, wir werden auch das überleben.“ Ja, sie werden es zweifellos überleben, aber unter neuen, grossen Opfern.

Traurig stimmt uns auch das Dahinschwinden unserer MS-kranken Swetlana. Sie ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und wird das nächste Stiftungsjahr kaum überleben. Aber wir dürfen uns sagen, dass wir ihr ihre letzten Lebensjahre so erträglich, ja so hell wie möglich gemacht haben, und sie dankt es uns immer wieder mit ihrer Liebe und ihrem Vertrauen. Sie weiss auch, dass wir ihr Töchterchen Jana nicht im Stich lassen werden, und das wird ihr den Abschied erleichtern.

Ja, je mehr Beziehungen wir in Tarussa knüpfen, je grösser das Stück Herz, das wir dort lassen, desto lebhafter empfinden wir die Freuden und Leiden der Bevölkerung, die uns so nahe geworden ist, mit. Und die Menschen spüren das; die Russen haben als ausgesprochene „Beziehungsmenschen“ ein sehr feines Gefühl dafür, wie man ihnen begegnet, ob die Hilfe, die sie empfangen, begleitet ist von Herzenswärme. Und dann sind sie schnell bereit, diese Herzenswärme zurückzugeben. Das ist eine ungeheure Bereicherung unserer Tätigkeit.

Wir hoffen, diese mit Ihrer Hilfe, liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freunde, noch lange fortsetzen zu dürfen!

Monica Chappuis, Präsidentin