Monatsbericht September 2016

Vor einem Monat schrieb ich an dieser Stelle, man müsse jetzt noch holen, was noch zu holen ist auf den Feldern. Wer dies konnte, hat es inzwischen getan, allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Bei den Bauern, die mehrere Hektaren angepflanzt haben, sieht die Lage in verschiedenen Regionen düster aus. So kenne ich persönlich zwei Bauern, welche 30 resp. 50 Hektaren Kartoffeln nicht ernten konnten, da das Wasser in den Reihen stand.

Der 1. September, gleichbedeutend mit Schulanfang, ist wie jedes Jahr ein grosser Feiertag für die Familien mit Kindern. Für RADUGA beginnt wiederum das Schulernährungsprojekt, wo es gilt, die Lebensmittel bereitzustellen für die vielen Schulkinder in unserem Bezirk. In diesem Jahr steigt die Zahl der Kinder bis knapp unter die 600 Marke, und zwar liegt sie bei 594 Kindern. Diese gilt es nun mit unseren Ergänzungsnahrungsmitteln bis Ende Mai mit Frühstück, Mittagessen und „z’Vieri“ zu versorgen.

In diesen 9 Monaten werden es erneut insgesamt um die 15 Tonnen Lebensmittel sein. Finanziell sieht es so aus, dass RADUGA diese Lebensmittel für ein Kind pro Tag gerade mal auf 10 Rappen zu stehen kommen. Aufgerechnet aufs Jahr ergibt das aber trotzdem die stattliche Summe von ungefähr 10 000 Franken, dies aber bei über 100 000 zubereiteten Mahlzeiten! Das Schulernährungsprojekt ist seit Jahren eines der wichtigsten, effizientesten und erfolgreichsten Projekte unserer Stiftung!

Im September ist zu unserem Team noch eine junge Österreicherin hinzugestossen. Die Rede ist von Theresa, die als Musikheilpraktikerin bei uns mithelfen und gleichzeitig auch ihr Russisch noch aufbessern will. Nun haben wir zusammen mit Livia aus der Schweiz also zwei junge Frauen im Stiftungshaus. Wichtig dabei ist auch, dass sich die Menschen aus Westeuropa ein eigenes Bild machen können vom Leben hier in Russland. Mit den in den Massenmedien gelesenen und gehörten Berichten über dieses Land kommen die Besucher oft mit gemischten Gefühlen zu uns. Sobald sie sich in der neuen Umgebung eingelebt haben, ganz besonders natürlich die, welche bereits Russisch sprechen, merken sie dann schnell, dass alles ganz anders ist, als sie es sich vorgestellt haben. An dieser Stelle möchte ich deshalb auch ein russisch Sprichwort zitieren, das ausgezeichnet hierher passt: „Lieber einmal selber gesehen als siebenmal gehört haben!“

Mit freundlichen Grüssen

Jörg Duss