Monatsbericht März 2017

Von Jahr zu Jahr ist der Winter verschieden. Dieses Jahr können wir in unserer Chronik festhalten, dass er sehr früh begann, erster Schnee bereits am siebten November, dass aber auch der Frühling früher als sonst Einzug gehalten hat. Erstaunlich ist die Tatsache, dass sich das Hochwasser trotz des überdurchschnittlich vielen Schnees in Grenzen hielt. Selbst unsere kleine Brücke auf dem Weg ins Dorf war in diesem Jahr lediglich zwei Tage lang unter Wasser.

In der ersten Monatshälfte, am 08. März, dem internationalen Frauentag, veranstalteten wir für unsere Rentnerinnen ein Fest im Stiftungshaus. Wie üblich, brachte es den alten Damen rege Freude, an diesem geselligen Nachmittag teilzunehmen. Für ein paar Stunden «ausbrechen“ aus den eigenen vier Wänden, und „eintauchen“ in eine gesellige Runde mit Gleichgesinnten – das ist der Hauptzweck dieses Projektes.

Im vergangenen Monat verzeichneten wir einen Anstieg bei den Bedürftigen, die uns um Hilfe baten. Hilfe bei der Beschaffung von Medikamenten, Fahrten ins Gebietsspital, Lebensmittelpakete, Unterstützung beim Antrag für die Invalidenrente sowie Anfragen für Arbeit und Unterkunft.

Zudem hatten wir in den letzten Wochen nochmals Zulauf von Obdachlosen. Es hat sich unter diesen Menschen herumgesprochen, dass das Biodorf Lagowschina ihnen eine Chance bietet, sich wieder an ein normales Leben zu gewöhnen. Andrej, ein Vierzigjähriger aus der rund 300 km nördlich von Moskau gelegenen Stadt Wologda, der mit seinem Alkoholproblem kämpft, sagte mir kürzlich, dass er es noch nirgends so lange ausgehalten habe. Gut sei eben, dass es an diesem abgelegenen Ort keine Versuchungen gebe… „Wir gewöhnen uns wieder an einen normalen, geregelten Lebens- und Arbeitsrhythmus.“

Unser Landwirtschaftsprojekt bietet uns in allen Belangen Möglichkeiten, Menschen zu helfen. Das Wichtigste für diese Bedürftigen ist es, bei einer organisierten, geregelten Tätigkeit in einem kleinen Kollektiv, in dem sie sich wohl fühlen, wieder Selbstachtung und Respekt zu gewinnen. Die meisten von ihnen haben das Vertrauen in sich und ihre Umgebung verloren. Man muss viel Zeit, Aufmerksamkeit und Geduld in sie investieren, um ein positives Resultat zu erreichen.

Das Projekt ist noch relativ jung, aber die ersten Erfolge zeigen, dass man durchaus etwas ausrichten kann!

Mit freundlichen Grüssen

Jörg Duss