Monatsbericht Juni 2017

Wer gehofft hatte, dass im Juni nun endlich der Sommer und mit ihm die Badesaison anfängt, der wurde auf der ganzen Linie enttäuscht. Die Temperaturen lagen so tief, dass nicht einmal die Himbeeren bis Ende des Monates blühten. Für die Bauern gab es einzig während der letzten vier Tage des Monats trockenes Wetter, wo sie das erste Mal in diesem Sommer überhaupt ans Heuen denken konnten. Bis jetzt habe ich keinen Menschen getroffen, der sich auch nur annähernd an so einen Sommerstart erinnern konnte.

Das erste Sommerlager konnten wir diesen Monat erfolgreich über die Bühne bringen. Was hier so einfach in einer Zeile mit ein paar Worten beschrieben wird, bedeutet für die Kinder viel mehr. Es freut uns selber mit anzusehen, wie die Kinder aufblühen und sich freuen, einfach einmal Kind zu sein! Es geht hier ausschließlich um Kinder aus sozial schwächsten Familien. Für diese Kinder sind geregelte Mahlzeiten, oder gar einmal eine Süßigkeit an einem ganz gewöhnlichen Tag, bei weitem nicht stabile Konstanten.

Auf unserem Bauernhof trafen diesen Monat drei Frauen ein, zwei davon mit ihren Kindern. Sie kamen aus dem Obdachlosenheim, wo sie aus unterschiedlichen Gründen vor Monaten Zuflucht gefunden hatten. Swetlana mit ihrem 14jährigen Sohn Vitalij und Olga mit dem siebenjährigen Maxim. Vitalij ist geistig so zurückgeblieben, dass er nicht als schulfähig gilt. Dasselbe galt seinerzeit für seine Mutter. Beide sind sehr lieb, benötigen jedoch eine intensivere Betreuung. Das Schicksal von Alla hat sich so gestaltet, dass sie nach dem „Ausbruch“ aus einer Sekte auf der Strasse landete. Als gelernte Veterinärin hilft sie uns sehr bei den Tieren.

Es ist traurig mit anzusehen, wie unser globales Wirtschaftssystem Verlierer schafft. Solange ich mich mit diesem Teil der Gesellschaft nicht beschäftigt hatte, war mir das in diesem Masse nicht bewusst. Jetzt sind es Namen, konkrete Schicksale, und es sind viele. Das Kleingewerbe und vor allem das Kleinbauerntum sind ganz unbestritten das beste Heilmittel für dieses Geschwür, das sich auf unserem Globus ausweitet. Es schafft Arbeitsplätze, macht die Menschen freier und unabhängiger. Das Resultat sehen wir bei uns tagtäglich, was mich persönlich noch mehr motiviert, diesen Weg weiterzugehen.

Liebe Grüsse

Jörg