Monatsbericht April 2026

Monatsbericht April 2026

Hatten Sie auch schon mal das Erlebnis, dass Sie am Morgen aufwachten und mit verschlafenen Augen bemerkten, dass es sehr hell ist draussen? Mit ein paar Schritten zum Fenster kam dann die grosse Überraschung: Es hat in der Nacht geschneit! Wenn dies dann noch Ende April ist, und Frau Holle uns satte 10cm „vor die Tür geknallt“ hat, kommt man so schnell nicht mehr aus dem Staunen heraus. So geschehen bei uns. Gleichzeitig trieb der Wind noch sein Unwesen, er knickte und entwurzelte massenhaft Bäume und Sträucher. Ich kann zwar nicht sagen, dass ich den Schnee nicht liebe, doch zu dieser Jahreszeit hätte es jetzt nicht unbedingt sein müssen!

Ich möchte Ihnen in diesem Monatsbericht meine neuen Erfahrungen im Bereich „Teambildung“, oder besser gesagt Zusammenführen von unterschiedlichen Menschen, erzählen.

Bei uns kommen immer wieder die unterschiedlichsten Menschen im Dorf an. Von Jung bis Alt, ungebildet oder mit höherem Schulabschluss, aus tiefen sozialen Schichten oder aber auch aus gehobenen Verhältnissen, wo das Schicksal so zugeschlagen hat, dass sich diese Personen dann plötzlich am Abgrund der Gesellschaft wiederfanden.

So kam vor rund zwei Monaten die 68 jährige Natalja Gennadjewna zu uns, eine ehemalige Stewardess, die zur Sowjetzeit überall herumgekommen war. Sie war mehr als viele andere privilegiert zu dieser Zeit, und konnte so das Leben geniessen. Das Einzige, was ihr verwehrt blieb; waren eigene Kinder. Nach dem Tode ihres Mannes vor zwei Jahren ging alles dann ziemlich schnell, und sie landete zuerst auf der Strasse und dann in einem Obdachlosenheim. Und nun ist sie bei uns. Sie arbeitet in der Küche, was ihr grosse Freude bereitet. Doch noch mehr freut sie sich über die Bekanntschaft mit Natascha, einer anderen Bewohnerin, die nun schon über drei Monate bei uns lebt.

Natascha ist in einem Kinderheim für psychisch kranke Kinder aufgewachsen. Anschliessend lebte sie in einem Internat derselben Kategorie, aber für Erwachsene. Vor rund zehn Jahren kam sie dann in eine Familie, in der sie mehrere Jahre lebte. Als sich die Familienverhältnisse durch den Tod der neuen Pflegeeltern veränderten, fand sie sich plötzlich auf der Strasse. Über ein Obdachlosenheim kam sie dann zu uns.

Wieso erzähle ich Ihnen das alles? Die Sache ist die: Ich habe noch nie in all den Jahren zwei so unterschiedliche Menschen gesehen, die sich inzwischen förmlich „gefunden“ haben. Bei Natalja Gennadjewna entwickelte sich geradezu der Mutterinstinkt. Mit grösster Führsorge sorgt sie sich um Natascha – man spürt, dass sie endlich eine Tochter bekommen hat. Natascha, die ohne Mutter aufgewachsen ist, spricht sie mit „Mutter“ an. Die gegenseitige Wertschätzung, die sie sich schenken, ist beispiellos. Mir macht es jedes Mal viel Freude, wenn ich die beiden sehe, wie sie miteinander umgehen! Man wünscht sich dabei, dass noch viele solche Begegnungen stattfinden, mit denen das Leben eine so positive Wendung nimmt !

Bei all den negativen Schlagzeilen, die uns täglich erreichen, sind solche Geschichten richtige Aufsteller! Ich wünsche Ihnen und uns allen möglichst viele positive Emotionen und Eindrücke!

Mit freundlichen Grüssen
Jörg

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