Monatsbericht Februar 2026

Monatsbericht Februar 2026

In vorherigen Monatsbericht habe ich noch geschrieben, dass wir uns nicht darüber beklagen dürfen, dass sich Frau Holle so ins Zeug legt! Heute, einen Monat später, muss ich das etwas revidieren. Seit es die Wetteraufnahmen hier im zentralen Russland gibt, hat diese liebe Frau Holle noch NIE eine solche Aktivität an den Tag gelegt. In den Städten, Dörfern, Vorhöfen, Parkplätzen, überall das gleiche Problem. Wohin mit diesen Schneemassen? Die gefallene Menge übersteigt nun bereits die Metermarke, und wie uns die Meteorologen sagen, liegt das Problem auch an der Menge des Wassergehaltes in diesem Schnee. Bei uns im Bezirk Tarussa werden die Bewohner an den Flüssen bereits aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. „Interessant“ ist, dass die Versicherungen vorsichtshalber schon mal alle Policen auf Hochwasser einseitig aufgelöst haben. Sie rechnen mit dreimal mehr Wasser bei der Schneeschmelze als sonst! Jetzt können wir nur noch hoffen und beten, dass es nicht so schlimm kommt!

Dieses Problem ist nun auch schon bis zu RADUGA gekommen! Verschiedene, speziell kinderreiche Familien, die in dieser Gefahrenzone ihr Zuhause haben, haben bei uns nachgefragt, ob wir für sie eine temporäre Bleibe hätten. Nicht jede Familie hat gleich in der Nähe Verwandte, wo sie mal auf die Schnelle hingehen könnten. Der eine oder andere unter Ihnen wird nun denken, dass wir sie bei uns im Bauernhofprojekt unterbringen können. Platz haben wir genug, doch bei uns liegt das Problem darin, dass wir während dieser Phase komplett von der Aussenwelt abgeschnitten sein werden. Zudem befürchten wir, dass die Brücke über den Bach, die die Gemeinde im letzten Jahr erneuert hat, diesen Fluten nicht standhalten wird. Leider hatten sie nicht auf uns gehört und die Bauten so ausgeführt, wie man das an einer so exponierten Lage nicht hätte umsetzen dürfen. Sollte die Brücke beschädigt werden, werden wir wohl für ein paar Monate von Wasser eingeschlossen sein. Da die Kinder aber zur Schule müssen, wird es dann ein Problem. Mit vereinten Kräften suchen wir jetzt nach Lösungen, und dann heisst es einfach nur noch, abwarten.

Es ist viel, was für Schicksalsschläge in den letzten Jahren immer und immer wieder auf diese Menschen zukommen. Mich erstaunt immer wieder von Neuem, mit was für einer stoischen Geduld die Menschen all diese Bürden tragen. Ich müsste lügen, wann ich jemanden nennen könnte, der jammert. Es liegt wohl in der Natur dieses Volkes, dass die Menschen in der Lage sind, aus was auch immer auf sie zukommt das Beste zu machen und einfach den Weg weitergehen. Das berühmte russische Spielzeug „Wanjka vstanka“, Männchen Stehauf, verkörpert diese Tugend des russischen Volkes. Ich, der nun schon 29 Jahre zusammen mit diesen Menschen lebt, fühle in mir immer wieder von neuem Bewunderung und Achtung für diese Menschen.

Mit freundlichen Grüssen

Jörg

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