Dieser vergangene Monat geht in die Geschichte als einer der heissesten ein. Temperaturen um die 30 Grad wurden an gewissen Tagen gemessen. Die Natur freute sich! Im Boden hatte sie ausreichend Feuchtigkeit, und nun mit der Wärme zusammen gedeiht alles prächtig. Zu früh freuen wollen wir uns noch nicht, doch der Anfang für eine gute Erntesaison ist schon mal gegeben.
Ich möchte Euch einen Einblick geben in Situation, in der wir uns nun schon seit mehr als vier Jahren befinden. Die ländliche Bevölkerung versucht, mehr Autonomie zu bekommen. Die Gärten werden mehr und mehr bearbeitet, und es werden auch wieder vermehrt Tiere angeschafft.
Dies sind in erster Linie Hühner, Gänse, Kaninchen und vereinzelt auch Bienen. Andere gehen einen Schritt weiter und beschaffen sich Ziegen, Schafe oder Ferkel zur Aufzucht. Das Einzige, das ich noch nirgends gesehen habe, ist eine Kuh. Vielleicht, weil sie mehr Arbeit bringt. Dass wir in unseren Breitengraden für mindestens 6 Monate Heu (ca. 2,5 t pro Kuh) zubereiten müssen, (in der Schweiz wird es ungefähr bei 2 Monaten liegen), ist ein enormer Aufwand. Sollte man Heu zukaufen müssen, macht sich die Rechnung gleich nicht mehr. Dazu kommt das tägliche Melken, mit dem man zeitlich gebunden ist.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Heizung. Alte Holzöfen werden reanimiert, andere lassen sich einen Ofen aus Backsteinen mauern. Diese russischen Öfen, bei Euch wären es Kachelöfen, halten die Temperatur tagelang. Ein Metallofen gibt sehr schnell viel Wärme ab, kältet aber auch in kürzester Zeit wieder ab. In einer frostigen Winternacht ist dies nicht gerade von Vorteil und auch für das Wohlgefühl kontraproduktiv! Man hat dann im Haus ständig grosse Temperaturschwankungen.
Da es für diese Öfen Brennholz benötigt, sieht man nun auch öfters ganze Familien, die im Wald Holz sammeln. Bei uns sind diesbezüglich auch die Anfragen gestiegen, vor allem von alten oder behinderten Menschen. Bei Familien, die es sich finanziell leisten können, sieht man nun auch schon ab und zu kleine Solaranlagen, die ein bis zwei Steckdosen mit Strom versorgen. So können die Verbrauer bei Bedarf mit Storm beliefert werden.
Es gibt im Süden von Russland Regionen, die seit Monaten vom Strom, Wasser und Gas abgeschnitten sind. Durch Verwandte, Bekannte oder Freunde, die in dieser Region leben, bekommen wir das mit. Für uns ist beunruhigend, dass sich das langsam aber stetig weiter nach Norden (Richtung uns) ausweitet. Wir alle wissen, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis es auch uns betreffen könnte. Daher ist bei vielen die klare Devise: „Vorsorge ist der beste Freund in der Not!“
In Anbetracht dieser sich verändernden Alltagssituation wird unser Bauernhofprojekt immer wichtiger, und das gilt für die ganze Tätigkeit von RADUGA!.
Mit freundlichen Grüssen
Jörg


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